CCU: CO2-Nutzung als Teil der klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft

07. Januar 2025

Welche Rolle spielt die Nutzung von CO2 – auch Carbon Capture and Utilization (CCU) – als Kohlenstoffquelle? Und welchen Beitrag kann diese Technologie, neben Carbon Capture and Storage (CCS) und Carbon Dioxide Removal (CDR), leisten, um das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen? Diese Fragen diskutierten Fachleute am 17. Dezember im Rahmen der digitalen Ergebnispräsentation zum kürzlich veröffentlichten ESYS-Impuls.

Manfred Fischedick (ESYS-Direktorium | Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie)  leitete fachlich in das Thema ein und präsentierte die Ergebnisse des kürzliche erschienenen ESYS-Impulses „CO₂ als Rohstoff. Baustein einer klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft“

CCU als mögliche Kohlenstoffquelle für die Chemieindustrie

Kohlenstoff findet großen Einsatz in der chemischen Industrie. Allerdings stammt er meist aus fossilen Quellen wie Erdöl und Erdgas. Um in Deutschland und Europa ein treibhausneutrales System zu erreichen, bedarf es alternativer, klimaneutraler Kohlenstoffquellen oder geschlossener Kohlenstoffkreisläufe . Neben biogenen Quellen und Recycling ist hierfür auch die Nutzung von Kohlenstoff aus CO2  möglich.

Nicht alle CO2 Nutzungspfade sind klimaneutral 

Unterschiedliche Faktoren bestimmen die Klimawirkung von CCU-Lösungen: Wenn etwa abgeschiedenes CO2 aus fossilen Quellen für kurzlebige Produkte wie synthetische Kraftstoffe eingesetzt wird, so verzögert CCU lediglich die CO2-Freisetzung. Die komplexe Klimabilanz zu erfassen stelle  eine der Herausforderung für die Regulierung von CCU dar, so Manfred Fischedick.

Eine großskalige  Umsetzung von klimaneutralem CCU fordere außerdem einen hohen Energiebedarf und einen starken Ausbau von erneuerbaren Energien, unterstrich Dennis Krämer bei der Präsentation der DECHEMA-Studie „Verfahren zur klimaneutralen Bereitstellung und Verarbeitung von Kohlenstoff“. Die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energieträgern und grünem Wasserstoff stelle einen potenziellen  Flaschenhals für CCU-Lösungen dar .

Im Anschluss moderierte Ellen Matthies (ESYS-Direktorium | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) eine Podiumsdiskussion mit Manfred Fischedick, Dennis Krämer (DECHEMA), Johanna Wiechen (Germanwatch) und Malte Bornkamm (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz). 

CCU kann ergänzend zu CCS und CDR wirken

Die Expert*innen gingen unter anderem auf die Emissionsbepreisung auf EU-Ebene, die noch nicht gegebene Wirtschaftlichkeit von CCU-Lösungen und das Zusammenspiel von CCU, Carbon Capture and Storage (CCS) sowie Carbon Dioxide Removal (CDR) ein. Sie waren sich einig, dass CCU ergänzend und nicht ersetzend zu CCS und CDR wirken soll, da sie unterschiedliche Funktionen erfüllen und verschiedene Rahmenbedingungen benötigen. Zudem sollte die Klimastrategie sicherstellen, dass der Markthochlauf von CCU keine Lock-in-Effekte erzeugt, die eine Reduktion der Nachfrage nach kohlenstoffhaltigen Produkten und den Ausbau einer umfassenden Kreislaufwirtschaft behindern würden.

Ansprechpersonen

  • Jörn Gierds
  • stellv. Leitung der Geschäftsstelle / Wissenschaftlicher Referent
  • Energiesysteme der Zukunft

Weitere Informationen

Mitschnitt der Veranstaltung

Ergebnispräsentation „CO2 als Rohstoff in einer klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft?“