CCS, CCU und CDR: wie sie funktionieren und welche Klimabilanz sie haben
In einigen Bereichen werden weiterhin CO2 und andere Treibhausgase entstehen, etwa in der Zementindustrie. Um klimaneutral zu werden, dürfen diese nicht in die Atmosphäre gelangen, oder sie müssen ausgeglichen werden. Außerdem muss ab Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden als noch emittiert wird, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Gleichzeitig werden auch zukünftig kohlenstoffhaltige Produkte benötigt, die heute meist aus Erdöl hergestellt werden, etwa Kunststoffe. Was können wir also tun?
Es gibt einige Technologien, um CO2 zu speichern, aus der Atmosphäre zu entfernen oder um Produkte herzustellen. Diese Themenseite erklärt, wie sie funktionieren, wo die Unterschiede liegen und wie sie zur Klimaneutralität beitragen.
Carbon Capture and Storage (CCS)
Was ist CCS?
Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet Verfahren, die CO2 abscheiden und langfristig geologisch speichern. Das wird erreicht, indem es in unterirdische Lagerstätten verpresst wird. Diese Verfahren werden für die Vermeidung von Emissionen bei Industrieprozessen wie der Zementerzeugung oder der Abfallverbrennung diskutiert. Bei diesen Prozessen ist es nicht möglich, die Entstehung des CO2 zu vermeiden. Aber wenn es nicht emittiert, also nicht in die Atmosphäre entlassen, sondern abgeschieden und gespeichert wird, dann trägt es nicht zur Erderwärmung bei.
Wenn das verpresste CO2 zuvor aus der Atmosphäre abgeschieden wurde oder aus Biomasse stammt, kann CCS zu negativen Emissionen beitragen. Das heißt, der CO2-Gehalt der Atmosphäre wird verringert. Dies bezeichnet man dann als Carbon Dioxide Removal (CDR).
Wie funktioniert CCS?
Zunächst wird das CO2 aus einem Gasgemisch abgeschieden – zum Beispiel Abgas aus einem Industrieprozess oder aus der Luft. Dafür wird viel Energie benötigt. Je niedriger die Konzentration des CO2 in dem Gemisch ist, desto höher ist der Energieaufwand. Die Abscheidung aus der Luft ist daher besonders energieintensiv. Dann wird das CO2 verdichtet oder verflüssigt und per Pipeline, Bahn oder Schiff zum Ort der Speicherung transportiert. Dort wird das CO2 im Untergrund verpresst. Als Lagerstätten eignen sich vor allem leergeförderte Erdöl- und Erdgaslagerstätten sowie tiefliegende, salzwasserführende Grundwasserleiter (sogenannte saline Aquifere).
Wie funktioniert die CO₂-Speicherung genau?
Bei der geologischen Speicherung wird das CO2 in den Porenraum eines Speichergesteins verpresst. Geeignete Speicher befinden sich in einer großen Tiefe von mindestens 800 bis 1.000 Meter. Ähnlich wie bei Erdgasspeichern, die weitläufig bekannt und akzeptiert sind, muss sich oberhalb des Speichergesteins, ein undurchlässiges Barrieregestein befinden, damit das CO2 nicht aus dem Speicher entweichen kann.
In Deutschland eignen sich vor allem leergeförderte Erdgaslagerstätten sowie tiefliegende, salzwasserführende Grundwasserleiter (sogenannte saline Aquifere) als CO2-Speicher. In Europa befinden sich die größten geeigneten Lagerstätten unter der Nordsee. Die Speicherung unter dem Meer ist allerdings teurer als die Speicherung an Land. Die Eignung eines Speichers muss durch Erkundungen nachgewiesen werden. Eine staatliche Bergbehörde prüft die Speicherung eingehend und genehmigt sie.
CO2 ist im Untergrund auch in natürlicher Form vorhanden, auch abseits vulkanischer Gebiete. Das heißt, CO2 ist kein unbekanntes Gas im Untergrund und beispielsweise ein häufiges Begleitgas bei der Erdöl- oder Erdgasförderung. Je nach Art des Umgebungsgesteins löst sich das CO2 mit der Zeit im sogenannten Formationswasser. Das ist das Wasser, das sich naturgegeben in den Gesteinsporen befindet. Abhängig vom jeweiligen Gestein beginnt das CO2 nach einer gewissen Zeit zu mineralisieren. Das heißt: Es reagiert mit Inhaltsstoffen aus dem Speichergestein und Wasser zu festen Karbonaten, die den Porenraum zunehmend ausfüllen und verschließen.
Wie weit sind die CCS-Verfahren schon entwickelt?
Da es verschiedene Projekte weltweit gibt, liegen bereits Erfahrungen zu allen Stufen der CCS-Prozesskette vor. Die Abscheidung von CO2 an Industrieanlagen und der Transport von CO2 können als industriell erprobter Standard angesehen werden. Bei der direkten CO2-Entnahme aus der Atmosphäre sind wegen der sehr viel geringeren CO2-Konzentration neue Verfahren erforderlich, für die es bisher nur Pilotanlagen gibt.
Erfahrungen mit der CO2-Speicherung liegen beispielsweise aus dem Sleipner-CCS-Projekt vor, das seit 1996 vor der Küste Norwegens das CO2 geologisch speichert. Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass die Speichertechnologien zuverlässig betrieben werden können. In der Gesamtschau ist CCS prinzipiell in industriellem Maßstab einsatzbereit.
Wie schätzen Fachleute die Risiken der CO₂-Speicherung ein?
CCS birgt gewisse Risiken, aber diese sind aus Sicht von Fachleuten beherrschbar. Wird beispielsweise das CO2 in leergeförderten Erdgaslagerstätten verpresst, gibt es dort durch die früheren Bohrungen Löcher, aus denen das CO2 austreten kann. Das kann – neben der Klimawirkung – das Grundwasser verunreinigen oder zu einer Versauerung des Meerwassers führen. Eine sorgfältige Risikoabwägung für den jeweiligen Speicherstandort und ein Monitoring während der Speicherung sind daher wichtig.
Die gesellschaftliche Diskussion fokussiert sich teilweise stark auf die Risiken von CCS. In der Gesamtabwägung sind jedoch ebenso die Risiken wichtig, die entstehen, wenn CCS nicht zugelassen würde. Diese sind erheblich, denn nach heutigem Kenntnisstand ist Klimaneutralität ohne CCS nicht realistisch.
Was ist die Klimabilanz von CCS?
Durch CCS, zum Beispiel an einem Zementwerk, wird verhindert, dass neu entstandenes CO2 in die Atmosphäre gelangt. Im Idealfall, wenn 100 Prozent des CO2 aufgefangen werden könnten und die dafür benötigte Energie komplett aus erneuerbaren Energien käme, wäre CCS also bestenfalls klimaneutral. In der Praxis gelingt eine vollständige Abscheidung des CO2 in der Regel aber nicht: Es verbleiben mindestens fünf bis zehn Prozent Restemissionen. Um klimaneutral zu werden, müssen diese durch negative Emissionen ausgeglichen werden. Negative Emissionen entstehen, wenn CO2 aus der Atmosphäre abgeschieden und dauerhaft gespeichert wird. Dies wird auch als CDR bezeichnet (siehe Abschnitt über CDR).
Carbon Capture and Utilization (CCU)
Was ist CCU?
Bei Carbon Capture and Utilization (CCU) wird CO2 aus einer Industrieanlage oder aus der Luft abgeschieden und für die Herstellung neuer Produkte genutzt, etwa Baustoffe, Chemikalien oder Kunststoffe. Heute werden diese Produkte meist aus Erdöl hergestellt. Landen sie am Ende ihrer Lebensdauer in der Abfallverbrennung, wird CO2 freigesetzt und das trägt zum Klimawandel bei. Mit CCU können kohlenstoffhaltige Produkte erzeugt werden, ohne dafür Kohlenstoff aus fossilen Energieträgern zu nutzen. Auch Kraftstoffe, zum Beispiel für Flugzeuge oder Schiffe, können mit CCU hergestellt werden.
Wie funktioniert CCU?
Zunächst wird CO2 aus einer Industrieanlage oder aus der Luft abgeschieden und zum Ort der Weiterverarbeitung transportiert. Um Ausgangsstoffe für die Chemieindustrie, wie Methanol oder Synthesegas, herzustellen, wird neben CO2 auch Wasserstoff benötigt. Die Stoffe werden dann zu verschiedenen Chemieprodukten weiterverarbeitet, beispielsweise zu Kunststoffen. Um mit CCU klimaneutrale Produkte herzustellen, muss der dafür verwendete Wasserstoff mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Dafür wird sehr viel Energie benötigt und das macht CCU relativ teuer.
Wie weit sind die CCU-Verfahren schon entwickelt?
Die Abscheidung und der Transport von CO2 können als industriell erprobter Standard betrachtet werden. Für die direkte CO2-Entnahme aus der Atmosphäre gibt es bisher nur Pilotanlagen, weil die geringere CO2-Konzentration neue Verfahren erfordert. Beide Prozessschritte werden unabhängig davon benötigt, ob das CO2 anschließend geologisch gespeichert (siehe Abschnitt über CCS) oder zu Produkten verarbeitet wird.
Bei der Verarbeitung des CO2 zu Produkten ist der Entwicklungsstand je nach Prozess sehr unterschiedlich. Um Harnstoff herzustellen, ein wichtiger Grundstoff der Chemieindustrie und Bestandteil von Düngemitteln, ist CCU bereits in großem industriellem Maßstab etabliert. Für viele andere Prozesse gibt es bisher nur Pilotanlagen, an denen geforscht wird, um die Prozesse effizienter und kostengünstiger zu machen.
Zudem spielt es eine Rolle, ob die benötigten Energieträger ausreichend vorhanden sind. Für viele CCU-Produkte wird Wasserstoff benötigt, der idealerweise klimaneutral ist. Fachleute sehen hier einen Flaschenhals für CCU: Es gibt aktuell nicht viele Produktionsanlagen für klimaneutralen Wasserstoff. Zudem ist der erneuerbare Strom, um die Anlagen zu betreiben, momentan nur begrenzt verfügbar.
Was ist die Klimabilanz von CCU?
Die Klimabilanz von CCU-Produkten kann sehr unterschiedlich sein und hängt von folgenden Faktoren ab:
- Herkunft des CO2: Mit CO2 aus der Atmosphäre oder aus Biomasse ist die Klimabilanz besser als mit CO2 aus fossilem Kohlenstoff.
- Lebensdauer des hergestellten Produkts: Bei kurzlebigen Produkten, wie Kraftstoffen, wird die Freisetzung des CO2 nur um einige Wochen oder Monate verzögert. Denn das CO2 gelangt beim Verbrennen des Kraftstoffs in die Atmosphäre. Werden mit dem CO2 stattdessen Baustoffe hergestellt, kann es über viele Jahrzehnte gespeichert bleiben.
- Verbleib des Kohlenstoffs am Ende der Lebensdauer: Werden beispielsweise mit CCU hergestellte Kunststoffe recycelt, wird der Kohlenstoff länger im Kreislauf gehalten – das verbessert die Klimabilanz, ähnlich wie eine längere Produktlebensdauer. Auch, wenn CCU-Produkte in einer Abfallverbrennung enden, die mit CCS ausgestattet ist, wird eine Freisetzung des zuvor gebundenen CO2 verhindert.
- Weitere mögliche Emissionsquellen: Im gesamten Lebenszyklus der CCU-Produkte gibt es Emissionsquellen, die auch wichtig sind, um die Klimabilanz von CCU zu bewerten. So wird Energie benötigt, um den notwendigen Wasserstoff zu produzieren. Ebenso sind Rohstoffe erforderlich, um die CCU-Anlage zu bauen.
Im besten Fall, wenn das CO2 aus Biomasse oder aus der Atmosphäre in sehr langlebigen Produkten gespeichert wird, dann kann das zu negativen Emissionen führen. Im schlechtesten Fall, wenn CO2 aus fossilem Kohlenstoff zum Beispiel zu Kraftstoffen verarbeitet wird, wird die Freisetzung des CO2 nur um einige Wochen oder Monate verzögert. In einer klimaneutralen Zukunft haben daher nur einige CCU-Pfade Platz.
Die folgende Grafik macht deutlich, wann ein CCU-basierter Prozess in der Gesamtbilanz CO2-Emissionen verursacht, wann er CO2-neutral ist und wann er zu negativen Emissionen führt.
Dies ist eine interaktive Grafik: Um die jeweilige Klimabilanz zu erkunden, klicken Sie auf „CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre“ oder auf „CO2-Abscheidung z.B. am Zementwerk“. Wenn Sie mit der Maus über die rechten Kästen fahren, dann erhalten Sie tiefergehende Informationen.
(Grafik: Energiesysteme der Zukunft (ESYS); Illustration by Figures GmbH)
Welche Alternative gibt es zu CCU?
Aufgrund des hohen Energiebedarfs ist CCU sehr teuer. Daher sind in vielen Fällen andere klimafreundliche Produktionsverfahren besser geeignet.
Vor allem bei Kunststoffprodukten bietet sich Recycling an. Ein komplettes Recycling wird aber auch in Zukunft nicht möglich sein, da die Qualität der Abfälle teils nicht hoch genug ist, um sie zu hochwertigen Kunststoffen aufzubereiten. Eine weitere Möglichkeit ist, kohlenstoffhaltige Produkte aus Biomasse herzustellen. Allerdings ist die Verfügbarkeit eng begrenzt, sodass sie als einziger Ausgangsstoff voraussichtlich nicht ausreicht.
Werden Kunststoffe zukünftig weiterhin aus Erdöl erzeugt, kann bei der Abfallverbrennung das CO2 abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden. Damit wäre der gesamte Lebenszyklus der Produkte ebenfalls relativ klimafreundlich. Allerdings müsste mehr CO2 geologisch gespeichert werden (siehe Abschnitt über CCS).
Da alle klimafreundlichen Produktionsverfahren ihre Grenzen haben, sollte immer auch geprüft werden, ob der Bedarf an kohlenstoffhaltigen Produkten reduziert werden kann.
Carbon Dioxide Removal (CDR)
Was ist CDR?
Carbon Dioxide Removal (CDR) bezeichnet die Entnahme und dauerhafte Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre. Dadurch kommt es zu sogenannten negativen Emissionen: der CO2-Gehalt der Atmosphäre sinkt. CDR wird benötigt, um nicht vermeidbare Restemissionen auszugleichen, zum Beispiel aus der Landwirtschaft. Außerdem deuten Klimaszenarien darauf hin, dass ab Mitte des Jahrhunderts mehr CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden muss, als noch ausgestoßen wird (sogenannte netto-negative Emissionen), um den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu begrenzen.
Wie funktioniert CDR?
Es gibt verschiedene CDR-Verfahren. Sie unterscheiden sich dadurch, wie CO2 aus der Atmosphäre aufgefangen wird und wie das CO2 oder der daraus erzeugte Kohlenstoff gespeichert wird.
Das bekannteste CDR-Verfahren ist die Aufforstung: Bäume nehmen CO2 aus der Luft auf und speichern den Kohlenstoff langfristig im Holz. Allerdings nur, solange der Wald nicht abbrennt oder Schädlinge ihn befallen. Dann kann der gespeicherte Kohlenstoff wieder als CO2 in die Atmosphäre gelangen. Diese Risiken steigen, je weiter der Klimawandel voranschreitet. Zudem ist der hohe Flächenbedarf ein weiterer Nachteil.
Andere CDR-Verfahren nutzen CCS (siehe Abschnitt über CCS): Sie speichern abgeschiedenes CO2 in geologischen Lagerstätten. Hier ist das Risiko geringer, dass das CO2 wieder in die Atmosphäre entweicht.
Die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre mit technischen Anlagen bezeichnet man als Direct Air Capture. Das ist allerdings sehr aufwändig und erfordert viel Energie. Eine weitere Möglichkeit ist, CO2 aus Bioenergieanlagen abzuscheiden und zu speichern.
Wie weit sind die CDR-Verfahren schon entwickelt?
Bei den meisten CO2-Entnahmeverfahren besteht noch großer Forschungsbedarf: Wie viel CO2 können sie in welchem Zeitraum aus der Atmosphäre entfernen? Was kostet das? Wie viel Energie wird dafür benötigt? Wie lange bleibt das CO2 gebunden? Und welche Umweltauswirkungen sind zu erwarten? Zu diesen Fragen gibt es erste Einschätzungen aus der Wissenschaft, aber die Wissenslücken sind noch groß. Bei technischen Verfahren wie Direct Air Capture, also der direkten CO2-Entnahme aus der Atmosphäre, besteht teilweise noch erheblicher Entwicklungsbedarf, um die Technologien effizienter und kostengünstiger zu machen.
Was ist die Klimabilanz von CDR?
CDR-Technologien erzeugen negative Emissionen; das heißt, es wird CO2 aus der Atmosphäre entfernt. Sie sind also „das Gegenteil“ von Emissionen. CDR kann dazu dienen, unvermeidbare Restemissionen auszugleichen. So entstehen etwa in der Landwirtschaft auf einer großen Fläche Treibhausgase, die man nicht direkt am Entstehungsort auffangen kann. Da sich nicht alle Emissionen vermeiden lassen, wäre Klimaneutralität ohne CDR nicht möglich.
Wie viel CDR erforderlich ist, hängt auch davon ab, wie schnell es gelingt, die Emissionen zu reduzieren. Wird in den nächsten Jahren zu viel CO2 emittiert, muss mit CDR nachträglich wieder CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden, um den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu begrenzen. Szenarien vom Weltklimarat zeigen, dass dies höchstwahrscheinlich erforderlich ist.
Die Erwartungen an CDR dürfen aber nicht zu hoch sein. Die Verfahren sind teilweise teuer und energieintensiv oder ihre Potenziale sind begrenzt, weil sie viel Fläche brauchen. Fachleute gehen davon aus, dass CDR nur wenige Prozent unserer heutigen Emissionen zukünftig ausgleichen kann. Daher müssen wir den Großteil unserer Emissionen vermeiden.
CCS, CCU und CDR: die drei Bausteine des Kohlenstoffmanagements
Was ist Kohlenstoffmanagement?
Das Kohlenstoffmanagement umfasst Verfahren und Ansätze, um CO2 aus der Atmosphäre fernzuhalten, es wieder zu entfernen oder es als Kohlenstoffquelle zu nutzen, um damit fossile Rohstoffe zu ersetzen. Oft reden Fachleute von drei Bausteinen:
- Carbon Capture and Storage (CCS): die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO2
- Carbon Capture and Utilization (CCU): die Abscheidung und Nutzung von CO2, zum Beispiel um Kunststoffe oder Kraftstoffe herzustellen
- Carbon Dioxide Removal (CDR): die CO2-Entfernung aus der Atmosphäre und dessen langfristige Speicherung
Verfahren und Ansätze zählen hingegen nicht zum Kohlenstoffmanagement, wenn sie von vorneherein vermeiden, dass Treibhausgase und insbesondere CO2 neu entstehen. Zum Beispiel kann ein Energieversorger erneuerbare Energien statt Kohlekraftwerke nutzen, um Strom zu produzieren. Dann wird weniger Kohle verbrannt und es entsteht weniger CO2.
Die folgende Grafik zeigt, welche Ansätze und Verfahren zum Kohlenstoffmanagement gehören – und welche nicht. CCU ist in der Grafik nicht abgebildet, denn hier kommt es auf den Einzelfall an. Es kann die Emission von entstandenem CO2 vermeiden, nur verzögern, oder sogar zu negativen Emissionen führen und somit zum Ausgleich von Restemissionen beitragen.
Dies ist eine interaktive Grafik: Um mehr zu erfahren, klicken Sie auf die Pfeile, die sich jeweils in den drei Kästen befinden.
(Grafik: Energiesysteme der Zukunft (ESYS); Illustration by Figures GmbH)
Warum brauchen wir Kohlenstoffmanagement?
Wir brauchen Kohlenstoffmanagement, um CO2 aus der Atmosphäre fernzuhalten, es wieder zu entfernen oder es als Kohlenstoffquelle zu nutzen. Denn nach heutigem Wissen lässt es sich in einigen Bereichen weiterhin nicht vermeiden, dass CO2 und andere Treibhausgase entstehen. Dazu zählen die Zement- und Kalkindustrie, die Abfallverbrennung und die Landwirtschaft.
Um klimaneutral zu werden, dürfen die Treibhausgase nicht in die Atmosphäre gelangen, oder sie müssen ausgeglichen werden. Darüber hinaus muss ab Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden als noch emittiert wird, um den Temperaturanstieg bei unter 2°C zu stabilisieren (siehe Abschnitt über CDR).
Außerdem werden zukünftig kohlenstoffhaltige Produkte benötigt, die heute größtenteils aus Erdöl hergestellt werden, etwa Kunststoffe, Kosmetikprodukte, Farben und Lacke. Neben Recycling und Biomasse kann CO2 hier als nicht-fossile Kohlenstoffquelle dienen (siehe Abschnitt über CCU).
In welchem Umfang Kohlenstoffmanagement benötigt wird, hängt davon ab, wie schnell und umfassend die Entstehung von CO2 und anderen Treibhausgasen in allen Bereichen reduziert wird. Dabei kommt es auf technologische Entwicklungen an (zum Beispiel Ersatz von Zement durch klimafreundlichere Baustoffe) und auf die gesellschaftliche Bereitschaft zu Verhaltensänderungen (zum Beispiel Reduktion des Flugverkehrs).
Fachleute sind sich einig, dass Kohlenstoffmanagement ein notwendiger, aber eher kleiner Baustein des Klimaschutzes ist. Der weitaus größte Teil der heutigen Emissionen muss vermieden werden.
Zum Nachlesen
Die Themenseite basiert auf folgenden ESYS-Publikationen:
- Impuls „CO₂ als Rohstoff. Baustein einer klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft“
- Impuls „Kohlenstoffmanagement integriert denken: Anforderungen an eine Gesamtstrategie aus CCS, CCU und CDR“
- Kurz erklärt „Was sind negative Emissionen, und warum brauchen wir sie?“
Nähere Informationen über negative Emissionen und unterschiedliche Verfahren zur CO2-Entnahme und -Speicherung sind auf der Themenseite „Negative Emissionen“ zu finden.