ESYS-Deep Dive: Wie wichtig Daten für die Wärmewende sind

14. Oktober 2024

Für die Wärmewende spielen Daten eine entscheidende Rolle. Nur wenn Politik, Eigentümer*innen und Fachleute verlässliche Daten zur Verfügung stehen, können sie Politikmaßnahmen bestimmen, Investitionsentscheidungen treffen und realitätsnahe Szenarien entwickeln. Allerdings ist die Datenbasis im Gebäudebereich unzureichend. Welche Lücken bestehen und wie sie geschlossen werden könnten, darüber haben Expert*innen in einem ESYS-Deep Dive diskutiert.

In das Thema führte Hans-Martin Henning, Mitglied des ESYS-Direktoriums, ein (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE). Er zeigte die wichtige Rolle des Gebäudebereichs für die Energiewende auf – bis zu 40 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland entfielen gemäß Verursacherprinzip auf diesen Sektor – und gab erste Einblicke in die mangelhafte Datenlage im Gebäudebereich.

Britta Stein (Institut Wohnen und Umwelt) stellte in ihrem Impuls anschließend dezidiert die Bedeutung von Daten im Gebäudebereich dar. Diese werden unter anderem für strategische Entscheidungen, Prognosen und Szenarien und die zielgerichtete Ausrichtung von Produkten, Maßnahmen und politischen Instrumenten benötigt. Im zweiten Impuls beschrieb Stefan Bolln (Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker) die Sicht der Energieberatenden in Deutschland: Die Beratung übernehme eine wichtige Aufgabe auch für die Bereitstellung von Gebäudedaten. Es fehle jedoch an Möglichkeiten, diese Daten zentral zu sammeln und abzurufen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Datenlage

Im Anschluss an die Impulsvorträge folgte eine digitale Podiumsdiskussion mit den Impulsgebenden sowie mit Janis Bergmann (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung) und Sibyl Steuwer (Buildings Performance Institute Europe, BPIE). Den Austausch, der auch die Fragen der knapp 140 Zuschauenden thematisierte, moderierte Andreas Wagner (Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Entwerfen und Bautechnik).

Die Fachleute stellten die schwierige Datenlage im Gebäudebereich heraus. Die Datenqualität ist oft mangelhaft, die Daten seien zudem unvollständig. Insbesondere sei es herausfordernd, technische und sozio-ökonomische Daten für den Gebäudebereich zu verschneiden. Dies sei zum Beispiel wichtig, um zielgruppenspezifische Fördermaßnahmen abzuleiten.

Eine weitere große Herausforderung betrifft die Datenbereitstellung und -verfügbarkeit: Daten seien nicht zentral und nicht öffentlich verfügbar. Instrumente, wie etwa das digitale Gebäudelogbuch oder eine Energieausweisdatenbank könnten hier Abhilfe schaffen. Beispiele aus anderen Ländern könnten hier als Blaupause dienen. So hat beispielsweise Flandern in Belgien ein digitales Gebäudelogbuch eingeführt und Portugal verfügt über qualitativ hochwertige Energieausweise.

Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist über den YouTube-Kanal des Akademienprojekts abrufbar. Die Präsentationen stehen ebenfalls zum Download bereit.

Ansprechpersonen

  • Jörn Gierds
  • stellv. Leitung der Geschäftsstelle / Wissenschaftlicher Referent
  • Energiesysteme der Zukunft

  • Kathrin Mendorf
  • Referentin für politische Kommunikation
  • Energiesysteme der Zukunft

Mitschnitt der Veranstaltung

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