Andreas Löschel (Vorsitzender ESYS-Direktorium | Ruhr-Universität Bochum) leitete in das Thema ein und stellte die ESYS-Arbeitsgruppe „Energiewende der bebauten Umwelt“ vor, deren Ergebnisse im Impuls „Wie gelingt die Energiewende im Gebäudebereich?“ und in der Analyse „Die sozial-ökologische Energiewende im Gebäudebereich“ veröffentlicht wurden. In seinem Eingangsstatement verwies der Ökonom auf das schleppende Voranschreiten der Energiewende im Gebäudebereich. Einen klimaneutralen Gebäudebestand innerhalb der kommenden zwanzig Jahre zu erreichen, erfordere große Anstrengungen, so sein Fazit.
Worst Performing Buildings im Fokus
Die Ertüchtigung der Worst Performing Buildings (WPB), welche sich durch einen besonders schlechten energetischen Zustand auszeichnen, ist ein zentraler Hebel für eine beschleunigte Wärmewende. Doch ist weitgehend unklar, welche Gebäude zu diesem Segment dazugehören und welche Personen in diesen Gebäuden wohnen. Zur Beantwortung dieser Frage hatte ESYS die Studie „Sozio-technische Analyse der Worst Performing Buildings in Deutschland“ beim Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse Hauptautor Janis Bergmann (IÖW) präsentierte. Die Studie zeigt, dass mehrheitlich Ein- und Zweifamilienhäuser im ländlichen Raum mit Baujahr vor 1978 zu den WPB gehören. Um WPB prioritär zu ertüchtigen, müssten daher in erster Linie selbstnutzende Eigentümer*innen adressiert werden.
Andreas Wagner (AG-Leitung | Karlsruher Institut für Technologie) und Melanie Jaeger-Erben (AG-Leitung | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg) präsentierten in dem anschließenden Impuls Möglichkeiten, wie das gelingen könnte. Die CO2-Bepreisung als Leitinstrument der Energiewende müsse hierzu sinnvoll um weitere Maßnahmen ergänzt werden. Dafür kämen in erster Linie Fördermittel in Betracht, die künftig stärker gebäude- und bedarfsabhängig ausgerichtet werden sollten. Sanierungsvorgaben, sogenannte Minimum Energy Performance Standards (MEPS), könnten ebenso einen Beitrag für die rasche Sanierung der WPB leisten, müssten jedoch mit ausreichend Vorlaufzeit und sinnvollen Ausnahmeregelungen ausgestattet sein und von Informations- und Beratungsangeboten begleitet werden, so Andreas Wagner.
Melanie Jaeger-Erben wies auf die Bedeutung der sozialen Nachhaltigkeit in der Wärmewende hin. Sie stellte Maßnahmen vor, die die Kommunikation zur und Teilhabe an der Wärmewende verbessern und verwies auf Möglichkeiten, um Flächen- und Energieverbrauch zu senken. Nicht zuletzt müssten für eine sozial nachhaltige Wärmewende vulnerable Gruppen besser unterstützt werden. Hierzu zählten neben selbstnutzenden Eigentümer*innen von WPB insbesondere auch Mieter*innen, die besonders oft von Energiearmut und steigenden Wohnkosten betroffen seien.
Poltische Verlässlichkeit und Planungssicherheit verbessern
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Ergebnisse der ESYS-AG reflektiert. Moderatorin Ellen Matthies (ESYS-Direktorium | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) ging dafür mit den Fachleuten Andreas Wagner, Elisabeth Dütschke (Fraunhofer ISI), Benjamin Köhler (Öko-Institut) und Immanuel Stieß (Institut für sozial-ökologische Forschung) in den Austausch.
Elisabeth Dütschke und Immanuel Stieß skizzierten geeignete Lösungsansätze, um dem Remanenzeffekt entgegenzuwirken und betonten die Bedeutung von kommunalen Lösungen und Anlaufstellen. Benjamin Köhler beschrieb die Rolle, die das Ordnungsrecht in der Wärmewende spielen könne. Andreas Wagner betonte die unzureichende Datenlage im Gebäudebereich, die unter anderem die Identifizierung der WPB erschwere, ebenso wie die Ableitung und Evaluierung entsprechender politischer Maßnahmen. Einig waren sich die Fachleute, dass es eine stärkere politische Verlässlichkeit in den gesetzlichen Rahmbedingungen geben müsse, um Planungssicherheit zu verbessern und das Vertrauen in die Wärmewende zu stärken.