Großbatteriespeicher: technologische Entwicklungen und Rolle im Energiesystem

30. Juli 2025

Der Zubau stationärer Großspeicher boomt, unter anderem aufgrund gesunkener Kosten. Als Folge liegt den Netzbetreibern eine Vielzahl von Netzanschlussanfragen vor. Das bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich – welche das sind und welche Rolle Batteriespeicher im Energiesystem spielen, diskutierten Fachleute bei einem ESYS-Deep Dive am 24. Juli.

In seinem einleitenden Impulsvortrag gab Dirk Uwe Sauer (RWTH Aachen und stellvertretender Vorsitzender des ESYS-Direktoriums) einen Überblick über die am weitesten verbreiteten Technologien im Batteriespeichermarkt. Gründe für den Preisverfall bei Batterien in den letzten zwei Jahren seien unter anderem Skaleneffekte, sinkende Rohmaterialpreise sowie Überkapazitäten in der Batteriezellfertigung, vor allem in China.

Jan Figgener (RWE) stellte die Erfahrungen von RWE mit Großspeicherbatterien vor. Der Konzern plane, seine bereits bestehenden Kapazitäten in den kommenden Jahren stark auszubauen. Als Herausforderungen identifizierte Figgener regional- und länderspezifische Anschlussregelungen, lange Genehmigungszeiten für den Netzanschluss sowie künftige Strommarktentwicklungen. Eine Anpassung des regulatorischen Rahmens sei wünschenswert, um den Hochlauf zu unterstützen.

Mirjam König (TransnetBW GmbH) betonte die Rolle von Großbatteriespeichern zur Stabilisierung des Stromnetzes und zur Integration erneuerbarer Energien ins System. Die sehr hohe Zahl an Netzanschlussbegehren überlaste jedoch die verfügbaren Kapazitäten bei den Netzbetreibern. Der jetzige Anschlussprozess hemme eine gezielte Steuerung der Speicher, da er nicht nach Reifegrad des Projekts und Netzbedarf differenziere. Besser sei es, Speicherprojekte nach Netzauswirkungen zu bewerten und priorisieren.

Über Chancen für das System und Herausforderungen von Batteriespeichern für das Marktdesign sprach Christoph Maurer (Consentec GmbH). Der Bedarf an kurzfristiger Flexibilität führe aktuell zu einer hohen Wirtschaftlichkeit für Speicher, langfristig kämen jedoch andere Flexibilitätsoptionen hinzu. Das Marktdesign müsse Anreize setzen, damit Handelsergebnisse besser als derzeit ins Netz passten. Dies könne etwa durch kürzere Abrechnungsperioden oder Signale wie lokale Preise erfolgen. Gaskraftwerke und Batterien seien dabei keine direkten Konkurrenten, sondern erfüllten unterschiedliche Rollen im System.

Erhöhte Systemstabilität durch netzdienliches Speicher-Verhalten

In der folgenden Podiumsdiskussion waren sich die Fachleute einig, dass Großbatteriespeicher, wie andere Flexibilitätsoptionen auch, geeignete Anreize bräuchten, um system- und netzdienlich zu wirken. Dazu seien Marktmechanismen und ein geeigneter regulatorischer Rahmen, beispielsweise die derzeit laufende Anpassung der Netzentgeltsystematik, miteinander verschränkt zu diskutieren und im Hinblick auf das Gesamtsystem zu entwickeln. Dies erfordere den Dialog zwischen allen Beteiligten.

 

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