13 Jahre ESYS - weiterhin gebraucht
„Es ist ein besonderer Abend, wenn so viele Gäste aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik zusammenkommen“, eröffnete Andreas Löschel (Vorsitzender ESYS-Direktorium, Ruhr-Universität Bochum) die Veranstaltung – zumal zu einem Zeitpunkt, an dem der Titel der Veranstaltung mehr Aktualität besitze, als bei seiner Entstehung absehbar gewesen sei. Entsprechend zeige sich auch nach 13 Jahren ESYS, dass die Initiative nach wie vor gebraucht werde, nicht um bestimmte Pfade nach vorne vorzugeben, sondern um immer wieder wissenschaftlich fundierte Handlungsoptionen aufzuzeigen.
Mehr Tempo von der Forschung in die Praxis
Dass der Weg von wissenschaftlichen Erkenntnissen hin zur spürbaren Wirkung in Deutschland schneller werden müsse, betonte Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) in seiner Keynote. Dabei dürfe jedoch die Grundlagenforschung als Basis künftiger Lösungen nicht vernachlässigt werden.
Dieser Gedanke prägte den weiteren Abend. Martin Keller (Präsident Helmholtz-Gemeinschaft) unterstrich, dass große Herausforderungen wie Klima und Energiesicherheit nicht national lösbar seien. Europa müsse jetzt die kritische Masse entwickeln, um international als Vorbild zu agieren. Abteilungsleiterin Stephanie von Ahlefeldt (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) richtete einen konkreten Appell an ESYS: Die Initiative solle ihre Wirkkraft künftig noch stärker in den europäischen und internationalen Diskurs einbringen. Angesichts der geopolitischen Lage brauche man mehr denn je die Verständigung in der EU und mit internationalen Partnern auf gemeinsame energiepolitische Positionen.
Planungssicherheit wichtiger als Förderung
Die abschließende Panel-Runde mit Sabine Busse (CEO Hager Group), Martin Keller, Anke Weidlich (ESYS-Direktorium, Universität Freiburg) und Klaus M. Schmidt (LMU München) machte deutlich: Die Energiewende ist ein komplexes Umsetzungs-, Akzeptanz- und ökonomisches Problem.
Die zentralen Erkenntnisse des Panels:
- Verlässlichkeit ist Trumpf: Sabine Busse betonte, dass Planungssicherheit für die Wirtschaft wichtiger sei als direkte staatliche Förderung. Häufige politische Richtungswechsel hemmten Investitionen mehr als fehlende finanzielle Anreize.
- Ein berechenbarer CO₂-Preis: Klaus M. Schmidt bestätigte dies: Entscheidender als die absolute Höhe des CO₂-Preises sei seine Verlässlichkeit. Ein langfristig stabiler Preiskorridor in Europa biete dem Markt mehr Orientierung als ein hoher Preis ohne politische Rückendeckung.
- Das Fundament steht: Martin Keller erinnerte daran, dass die letzten 20 Jahre das entscheidende Fundament gelegt hätten. Der massive Preisverfall bei erneuerbaren Energien sei das direkte Ergebnis konsequenter Forschung und Investitionen.
- Europa in der Pionierrolle: Anke Weidlich betonte, dass Europas große Stärke im systemischen Blick liege – also darin, einzelne Technologien zu einem kohärenten Gesamtsystem zusammenzuführen. Gelänge dies, biete die Energiewende die historische Chance, zu einem echten Standortvorteil für Deutschland und Europa zu werden.
Ein herzlicher Dank gilt allen Referent:innen, Podiumsgästen sowie den Mitgliedern und Mitwirkenden der Initiative und allen weiteren Gästen, die mit ihren Beiträgen und ihrer Diskussionsbereitschaft den Abend zu einem lebendigen Austausch gemacht haben.