Das Bild zeigt sieben Männer und Frauen in Anzügen auf einer Bühne. Sie diskutieren über Szenarien für die Energiewende.

Zukünfte für die Energiewende: ESYS-Jahresveranstaltung 2025

25. Februar 2025

Energieszenarien können bei der Umsetzung der Energiewende Orientierung bieten. Doch welche Kriterien müssen Szenarien erfüllen, um als verlässliche Grundlage für politische Entscheidungsprozesse zu dienen? Und wie kann wissenschaftsbasierte Beratung dabei helfen, aus Szenarien vorausschauende politische Entscheidungen abzuleiten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ESYS-Jahresveranstaltung am 11. Februar 2025 in der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin.

Staatssekretär Dr. Karl-Eugen Huthmacher (Bundesministerium für Bildung und Forschung) führte in die Veranstaltung ein und warf dabei einen Blick auf die Anfänge von ESYS sowie die kommenden Herausforderungen in der Energiepolitik. Auch in Zukunft sei es die Aufgabe von ESYS, unabhängig und transparent Handlungsoptionen für eine wissenschaftsbasierte Politik- und Gesellschaftsberatung aufzuzeigen. 

Gerald Haug (Präsident Leopoldina | ESYS-Kuratorium) und Christoph Markschies (Präsident Akademienunion | ESYS-Kuratorium) betonten in ihrem anschließenden Gespräch, dass ESYS als gemeinsames Projekt der Akademien in der gesellschaftlichen und politischen Debatte Orientierung bieten könne, indem es fundierte Fakten liefere und einordne. Je sorgfältiger dabei die Analyse der Gegenwart geschehe, desto besser ließen sich Vorhersagen über das komplexe Energiesystem der Zukunft treffen.

In seiner Keynote „40 Jahre Erfahrung mit (Energie-)Zukünften“ nahm Nebojša Nakićenović (Group of Chief Scientific Advisors to the European Commission) das Publikum mit auf eine Reise von den 1980er Jahren bis heute – anhand verschiedener Publikationen, die Meilensteine in der Entwicklung von Energie- und Klimamodellierungen darstellten. Auch wenn unterschiedliche Szenarien verschiedene mögliche Pfade in eine klimaneutrale Zukunft entwürfen, so zeigten sie doch alle die dringende Notwendigkeit der Energiewende, erklärte Nakićenović. Hoffnung setzte er unter anderem in eine Senkung des Endenergieverbrauchs durch Effizienzsteigerungen und die Sharing Economy. 

Barbie Haller (Bundesnetzagentur) widmete sich in ihrem Impuls der Frage „Welche Rolle haben Szenarien für die Analyse von Versorgungssicherheit?“. Dabei betonte sie, dass für jede Modellierung sorgfältig geprüft werden müsse, welche Annahmen zugrunde lägen und worauf diese basierten. Auch die betrachteten Zeiträume müssten je nach untersuchter Fragestellung angepasst werden. Eine Aufzeichnung der gesamten Impulsvorträge ist auf YouTube verfügbar.

Die abschließende Podiumsdiskussion „Wie Daten und Szenarien die Energiewende unterstützen“ führten Nebojša Nakićenović, Barbie Haller, Tanja Gönner (Bundesverband der Deutschen Industrie), Stefan Müller (Bundesministerium für Bildung und Forschung), Berthold Goeke (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) und Jan Wörner (Präsident acatech | Vorsitzender ESYS-Kuratorium); Andreas Löschel (Ruhr-Universität Bochum | Vorsitzender ESYS-Direktorium) moderierte.

Die Diskussion machte deutlich, dass Szenarien ein wertvolles Instrument für die Energiepolitik und die Industrie sein können, um langfristige Pfade miteinander zu vergleichen. Voraussetzung dafür sei jedoch, die zugrundeliegenden Annahmen, Methoden und Modelle transparent darzustellen. Es sei essenziell, den Einfluss von Annahmen und deren Änderung zu verstehen, um robuste Ergebnisse zu erhalten und diese richtig interpretieren zu können. Einig waren sich die Podiumsgäste auch darin, dass die Einbindung verschiedener Stakeholder sowie eine zielgruppengerechte Kommunikation der Ergebnisse an Entscheidungsträger*innen und die Bevölkerung entscheidend seien, damit die Energiewende tatsächlich umgesetzt und Menschen zu aktiven Träger*innen werden. Ein Mitschnitt der Podiumsdiskussion ist auf YouTube abrufbar.

Am 12. Februar folgte für ESYS-Mitwirkende die ESYS-Konferenz 2025, auf der sie unter anderem über mögliche zukünftige ESYS-Aktivitäten diskutierten. Zusätzlich gaben Frank Haugwitz (Apricum – The Cleantech Advisory), Gernot Wagner (Columbia Business School) und Frank Jotzo (Australian National University) Impulse zu aktuellen energiepolitischen Entwicklungen in China, den USA und Australien.

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