Grundlastkraftwerke: Ihre Rolle in einem zukunftsfähigen Energiesystem

13. Dezember 2024

Um das Ziel einer treibhausgasneutralen Energieversorgung bis 2045 in Deutschland zu erreichen, gilt es einige Fragen zu klären: Sind Grundlastkraftwerke, wie etwa Kernkraftwerke, notwendig? Welche treibhausgasarmen Alternativen sind möglich? Wie könnte eine kostenoptimale Stromversorgung ausstehen? Diese Fragen diskutierten Fachleute auf einer digitalen Ergebnispräsentation.

Der Vorsitzende des ESYS-Direktoriums Andreas Löschel begrüßte die Gäste und Zuschauer*innen, bevor Karen Pittel (ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen / ESYS-Direktorium) fachlich in das Thema einführte. Sie präsentierte die Erkenntnisse des kürzlich veröffentlichten Impulses „Kernspaltung, Erdgas, Geothermie, Kernfusion. Welche Rolle spielen Grundlastkraftwerke in Zukunft?“ Die Publikation basiert auf Modellrechnungen des Fraunhofer-Instituts für System und Innovationsforschung (ISI).  

Energieversorgung mit oder ohne Grundlastkraftwerke

Eine sichere Energieversorgung durch Solar- und Windenergie ohne Grundlastkraftwerke, wie etwa Kernkraftwerke, sei möglich, so Karen Pittel. Das bedeutet jedoch nicht, dass Grundlastkraftwerke zukünftig nicht mehr als Teil der Energieversorgung denkbar sind. Falls sie eingesetzt werden, spielt der Wasserstoffsektor eine Schlüsselrolle, um Grundlastkraftwerke zu integrieren. Denn das flexible Wasserstoffsystem ermöglicht den Kraftwerken eine hohe Auslastung und zusätzliche Energiemengen könnten die Wasserstoffimporte reduzieren.

Allerdings verursacht ein Ausbau von Grundlastkraftwerken ähnliche Gesamtkosten wie ein Energiesystem, das ohne Grundlastkraftwerke auf Solar- und Windenergie setzt, so Karen Pittel. Zudem ist zu berücksichtigen, dass ein Szenario mit Grundlastkraftwerken höhere Risiken birgt, zum Beispiel weil Kosten steigen können und sich der Bau der Kraftwerke verzögern kann.  

Wirtschaftlichkeit treibhausgasarmer Alternativen

Im Anschluss moderierte Dirk Uwe Sauer (RWTH Aachen / ESYS-Direktorium) eine Podiumsdiskussion mit den Fachleuten Jörg Jasper (EnBW Energie Baden-Württemberg), Anke Weidlich (INATECH, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und Bastian Ozlem (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW). Philipp Stöcker (ESYS-Koordinierungsstelle) brachte die Fragen der rund 155 Zuschauer*innen in die Diskussion ein.

Die Expert*innen diskutierten unter anderem die Grundlast-Technologien: Kernspaltung, Erdgas mit Carbon Capture and Storage (CCS), Geothermie und Kernfusion. Hierbei gingen sie neben zahlreichen anderen Punkten auch auf die Wirtschaftlichkeit, die Rahmenbedingungen und den Aufbau einer CO2-Infrastruktur ein.  

Sie waren sich einig, dass Flexibilität für ein zukunftsfähiges Energiesystem essenziell ist. Zudem wird entscheidend sein, wie sich die Speichermöglichkeiten für Energie weiterentwickeln, wie sich der Energieverbrauch verändert und wie Residualkraftwerke zugebaut werden.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und ist nun auf YouTube verfügbar.

Ansprechpersonen

  • Kathrin Mendorf
  • Referentin für politische Kommunikation
  • Energiesysteme der Zukunft

Mitschnitt der Veranstaltung

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